Inspiration - Wie entsteht sie?
Inspiration ist etwas sehr individuelles
und kommt aus den unterschiedlichsten Ecken.
Dabei unterscheide ich einmal die ganz allgemeine Inspiration von der konkreten, projektbezogenen Inspiration, die meist nahtlos in den kreativen Prozess übergeht.
Die ganz allgemeine Inspiration begegnet mir eigentlich überall!
Meist dann, wenn ich zur Ruhe komme und nicht damit rechne. Da mich die Ideen, die mir überall begegnen können, oft nicht loslassen, ist es für mich wichtig, sie festzuhalten. Entweder durch Fotos, Pins auf Pinterest, Skizzen oder auch Sprachnachrichten, Mails und Memos an mich selbst. Ich nutze das Medium, das mir in dem Moment zur Verfügung steht. Da mir die Inspiration oft auch im Urlaub begegnet, habe ich meist meinen Skizzenblock und ein paar Buntstifte dabei. Hierzu hatten Melanie Raabe und Laura Kampf in ihrem Podcast ein schönes Bild: "Der Brunnen will gefüllt sein." Schwieriger ist es da, eine Ordnung in diesen Ideensammlungen zu halten...
Die konkrete, projektbezogene Inspiration funktioniert bei mir anders.
Ich habe für mich festgestellt, dass es am besten funktioniert, wenn ich mir eine Anfangsaufgabe stelle und / oder eine Limitierung setzte. Also ein Rahmen, der sich dann Stück für Stück füllt. Das kann ein bestimmtes Material sein, das ich verarbeiten möchte, oder ein bestimmter Zweck der erfüllt werden soll; vielleicht auch ein Anlass, zu dem ich etwas entwickeln möchte oder ich habe etwas, wozu ich etwas passendes kreieren möchte. Oder ich möchte einfach eine bestimmte Technik ausprobieren... Wenn ich für jemand anderen etwas erstelle, ergibt sich die Aufgabe und Limitierung aus den konkreten Wünschen und den vorhanden und verfügbaren Materialien. Von diesen Vorgaben lasse ich mich dann ganz konkret inspirieren. Dabei greife ich mal bewusst, mal unbewusst auf die gesammelten Ideen und den gefüllten Brunnen zurück. Manchmal ergibt sich die Idee auch ganz von selbst aus den ausgewählten Materialien. Ganz wie Michelangelo schon sagte: "Der David steckte von Anfang an in dem Marmorblock. Ich habe nur entfernt, was nicht dazu gehörte."
Hier beginnt dann auch der kreative Prozess.
Und dieser braucht meist etwas Zeit und verläuft oft auch unbewusst weiter während man andere Aufgaben erledigt. Denn nun laufen die Fäden Stück für Stück zusammen. Die gesammelten Ideen, die Materialien, Farben und Stimmungen, die Formen und Funktionen... Ich persönlich beginne dann meist damit, mir die Aufgabe konkret zu formulieren und das hierfür in Frage kommende Material zu sichten und einzugrenzen (falls es nicht schon vorab festgelegt ist). Das zweite kann schon einmal etwas chaotisch sein. Danach sichte ich oder erinnere ich mich an die verschiedensten Inspirationsquellen. Diese fließen mal bewusst, mal weniger bewusst in den kreativen Prozess mit ein. Und dann wird skizziert, radiert, verworfen, neu skizziert, Material gesichtet und wieder ausgetauscht und nochmal neu skizziert... Parallel dazu checke ich die technische Seite des Projekts ab. Was ist wie umsetzbar? Sind alle nötigen Materialien vorhanden oder lieferbar? Habe ich die nötigen Fertigkeiten dazu und wenn nicht, wie erlerne ich sie oder wo erhalte ich Informationen dazu? Dabei ist es wichtig, auch einmal einen Schritt zurück zu treten, die Perspektive zu wechseln und vielleicht auch noch einmal von vorne zu beginnen. Doch irgendwann stellt sich der Moment der Klarheit bei mir ein, an dem ich weiß, womit ich beginne werde. Oft steht an diesem Punkt noch nicht jedes Detail fest, aber es ist der Moment, an dem ich beginne zu konstruieren.
Nun beginnt die eigentliche sichtbare und messbare Arbeit am Zeichentisch.
Aus der gestellten Aufgabe, der Form, Funktion und der Linieführung sowie den ausgewählten Materialien habe ich im kreativen Prozess einen Entwurf erstellt, den ich nun in ein Schnittmuster umwandle. An dieser Stelle kommen die erlernten handwerklichen und technischen Fertigkeiten ins Spiel. Denn eine dreidimensionale Idee ist in die zweidimensionsionale Ebene umzuwandeln, die dann auch noch den zuvor genommen Maßen entspricht, die gewählten Materialien berücksichtigt und der Person passt. Das ist manchmal eine echte Herausforderung, denn dass Raster der genommenen Maße ist begrenzt. Aber das ist ein anderes Thema... Bezogen auf die Inspiration und Kreativität ist dieser Prozess noch einmal spannend. Es kann vorkommen, dass sich beim Zeichnen interessante Linienführungen ergeben, die das zuvor Ersinnte noch einmal überdenken lässt.
Der letzte Schliff kommt bei der Herstellung.
Es gibt Entscheidungen, die ich nicht von vorne herein treffe, sondern erst während des Herstellungsprozesses. Denn egal, wie intensiv man sich in das Projekt hineindenkt, es geht nichts über das visuelle im Entstehungsprozesses. Ob z.B. die passende oder die Kontrastfabe als Kantenabschluss oder Dekoelemet schöner ist, sehe ich einfach erst am besten, wenn die Puzzelteile bereits zusammengefügt sind! Und erst dann entscheide ich mich auch. Da ist es natürlich schön, wenn man auf der Materialseite aus dem Vollen schöpfen kann. Das macht die Entscheidung letztlich aber nicht unbedingt leichter.
Und manchmal ergeben sich auch gerade daraus, dass ein bestimmtes Puzzelteil fehlt, ganz spannende Elemente. Und genau das ist Kreativität!
Ich hoffe, dieser kleine Einblick in die kreative Arbeit hat dem Ein oder Anderen gefallen. Ich bin gespannt darauf, zu erfahren, ob der Prozess bei Dir ähnlich abläuft. Also schreib mir gerne über das Kontaktformular oder die sozialen Medien.
Deine Yvonne